Die Immunologische Lücke beim Welpen

27062011Cincinnati Kid hp

Letzte Woche besuchte ich einen Vortrag von Frau Dr. Bianca Baumbach, PetProfi Team zum Thema Allergien beim Hund.

Sie hat uns sehr anschaulich erklärt, dass man unter dem Begriff Allergie eine immunologisch bedingte Reaktion (meistens der Haut) versteht, wobei das Immunsystem eine heftige, krankhafte Abwehrreaktion auf ganz bestimmte, normalerweise harmlose Umweltstoffe (Allergene) zeigt.

Die dritthäufigste Allergieform bei Hunden ist die Futterallergie, die, im Gegensatz zu anderen Allergien, bereits im Welpenalter auftreten kann.

In diesem Zusammenhang wies uns Frau Dr. Baumbach auf die Immunologische Lücke beim Welpen hin und gab uns dazu die nachfolgenden Informationen, die ich hiermit gerne an euch weitergeben möchte.

Zu der Immunologischen Lücke, d.h. zu der infektionsgefährdeten Zeit, kommt es bei Welpen zwangsläufig in der Zeit zwischen der 5./6. und der 8. bis ca. 10. Lebenswoche; in diesem Punkt schwanken die Literaturangaben.

Wenn man davon ausgeht, dass eine Mutterhündin gut durchgeimpft ist, dann nehmen ihre Welpen direkt nach der Geburt mit der Biestmilch/Kolostralmilch die mütterlichen (maternalen) Antikörper/Immunglobuline auf, die den Welpen vor Infektionen schützen (Schutz durch maternale Antikörper). Es ist wichtig, dass die Welpen sofort mit dem Trinken der Biestmilch beginnen, denn der Gehalt an Antikörpern in der Milch sinkt binnen weniger Stunden rasch ab. Die maternalen Antikörper stehen den Welpen nur in den ersten zwei Lebenstagen in der Milch zur Verfügung.

Wie lang die mütterlichen Antikörper bei den Welpen wirken, ist nicht sicher zu bestimmen, da es von der Höhe der Antikörper abhängt, die der Welpe mit der Muttermilch aufgenommen hat. Außerdem werden die mütterlichen Antikörper in den ersten Lebenswochen des Welpen verstoffwechselt, obwohl das eigene Immunsystem des Welpen noch keine eigenen Antikörper aufgebaut hat; d.h. die mütterlichen Antikörper bauen sich in den ersten Lebenswochen des Welpen ab, und da der Welpe noch keine eigenen Antikörper produziert, wird der Schutz des Welpen immer geringer und das Ansteckungsrisiko für den Welpen immer größer.

Das bedeutet, dass im Alter von ca. acht bis neun Wochen, wenn die neuen Besitzer ihren Welpen beim Züchter abholen, der Schutz des Welpen am geringsten bzw. das Infektionsrisiko beim Welpen am größten ist – der Welpe befindet sich in der Immunologischen Lücke.

Ein Welpe erhält beim Züchter in der 8. Lebenswoche seine erste Impfung/Grundimmunisierung. Laut Literaturangaben braucht ein gesunder Organismus mindestens acht bis zehn Tage, um erste eigene Antikörper zu bilden; bis zum vollen Impfschutz muss sich das Immunsystem ca. vier bis sechs Wochen mit der zweiten Impfung/Nachimpfung auseinandergesetzt haben. Dann ist der Welpe bereits 16 Wochen alt.

Untersuchungen haben ergeben, dass sich der Gehalt an maternalen Antikörpern nicht so weit verringert, dass eine aktive, frühe Immunisierung, sprich Impfung des Welpen mit herkömmlichen Impfstoffen, durchgeführt werden kann, denn die Reste der mütterlichen Antikörper betrachten das Impfvirus als Infektion und inaktivieren es. Für den Schutz gegen eine tatsächliche Infektion reichen die Reste an mütterlichen Antikörpern allerdings nicht mehr aus, dies führt zu der bereits angesprochenen Immunologischen Lücke.

Die Infektionsgefahr für den Welpen steigt zwangsläufig durch sein neues Umfeld (Umwelt) und den Kontakt zu anderen Hunden, d.h. sobald der Welpe seine Geburtsstätte verlassen hat.

Mich hat der Vortrag sehr nachdenklich gemacht, denn für mich als Züchterin sollte jetzt ein generelles Umdenken in Bezug auf den Umgang mit meinen Welpen in der Prägephase erfolgen. Zur Zeitspanne der Prägephase gibt es in der Literatur unterschiedliche Angaben; i.d.R. wird der Beginn mit der 3./4. Lebenswoche und das Ende mit der 12./16. Woche angegeben. Auf jeden Fall verbringen meine Welpen, da sie erst in der 8./9. Lebenswoche in ihr neues Zuhause umziehen, einen großen Teil ihrer Prägephase in meiner Obhut.

Als „verantwortungsvolle“ Züchterin will ich natürlich meinen Welpen so viele Eindrücke und Erlebnisse wie möglich für ihren späteren Lebensweg mitgeben, ohne sie dabei zu überfordern. D.h. wenn meine Welpen sechs Wochen alt sind, sind sie mobil genug, fit und gesund, um unser Grundstück für kleinere Spaziergänge in die nahe gelegenen Felder, in den Wald, auf die umliegenden Wiesen und natürlich auch in unseren kleinen Ort, in das Einkaufszentrum, usw. zu verlassen. Überall dort halten sich natürlich auch andere Hunde auf, gesunde und manchmal auch kranke. Bleibt ein Welpe etwas länger bei uns, weil er z.B. ins Ausland umzieht und für die dafür erforderlichen Impfungen ein bestimmtes Alter erreicht haben muss, dann nehmen wir diesen Welpen mit auf den Hundeplatz  zur Welpenspielstunde; selbstverständlich gibt es auch dort Kontakt zu fremden Hunden und vielen fremden Menschen.

Auf der anderen Seite lasse ich ab der 4. Lebenswoche der Welpen die ersten Besuche der Welpeninteressenten zu, allerdings nicht ohne Vorsichtsmaßnahmen in Bezug auf die Hygiene zu treffen.

Ich habe mit anderen Züchtern gesprochen, von denen einige leider schon die Erfahrung machen mussten, dass sich ihre Welpen mit einem Virus angesteckt hatten und schwer erkrankt waren. Diese Züchter behalten ihre Welpen seitdem die ersten acht Wochen ausschließlich in ihrer Zuchtstätte und weisen die Welpenkäufer auf die infektionsgefährdete Zeit der Welpen in den ersten Lebenswochen hin.

Nach diesem Vortrag von Frau Dr. Baumbach werde ich meinen nächsten Wurf nun ganz bestimmt mit anderen Augen sehen. Ich werde mir sehr genau überlegen, was ich meinen Welpen zumuten möchte und worauf ich lieber verzichten will.

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3 Gedanken zu “Die Immunologische Lücke beim Welpen

  1. Wir hatten bei unserem zweiten Wurf auch eine fiese Husteninfektion, vermutlich eingefangen von einer Halbschwester, die zu Besuch war und den Husten in zwei Tagen weggesteckt hat. Der halbe Wurf wurde krank, und es dauerte ca. 6 Monate, bis alle Symptome verschwunden waren. Man kann sich vorstellen, dass das weder für uns noch für die Welpenkäufer toll war. Seitdem bin ich auch noch vorsichtiger geworden. Allerdings muss man auch sagen, dass ab der achten Woche die Gefahr einer Fehlprägung, wenn man die Welpen zu sehr isoliert bzw. nach Abgabe nicht bald in die Welpengruppe bringt, m.E. nach höher zu bewerten ist als das Infektionsrisiko.

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    1. Da gebe ich dir absolut recht. Ich denke, dass es wichtig ist, das richtige Maß zu finden. In meinem letzten Wurf hatten sich alle sieben Welpen im Alter von acht Wochen bei ihrer Impfung in der Tierarztpraxis angesteckt. Alle hatte sie ganz schlimmen Durchfall, Bauchweh, und sie konnten nichts fressen. Die Welpenbesitzer wollten ihr Babies abholen, aber ich konnte sie nicht abgeben, nicht in der Verfassung. Sie mussten eine Woche länger bei uns bleiben, bis sie sich einigermaßen erholt hatten. Beim nächsten Wurf hole ich definitiv den Tierarzt zu uns ins Haus. Das Ansteckungsrisiko in einer Tierarztpraxis ist nicht zu unterschätzen.

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