Grenzenlos

Ich drehe eine Haarsträhne um meine Finger, unbewusst, immer wieder,

irgendwann nehme ich die Bewegung wahr.

Meine Gedanken werden allmählich blasser, ich kann sie nicht mehr hören,

meine Augen sehen nicht, was um mich herum geschieht und blicken in die Ferne,

träumen so klar,

und mein Kopf ist so schwer

auf eine Hand gestützt.

Ich sollte jetzt aufstehen, um mich gleich hinzulegen, doch meine Glieder

gehorchen mir auf einmal nicht mehr und da

erkenne ich, dass auch mir Grenzen gesetzt sind, die zu spüren

mir unendlich weh tut, denn so gerne

wäre ich grenzenlos und unverwundbar.

Schmerzen schleichen sich in mein Bewusstsein, doch ich kämpfe dagegen an, und wer

sich mir in den Weg stellt, der wird einfach ignoriert und so geschützt,

beginne ich jeden neuen Tag.

(c) hawksforest

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Sterne

Eben noch mit den Fingern die Sterne berührt,

glücklich über den Weg, der dir vorbestimmt,

manchmal reicht zu warten, bis man spürt,

dass das Schicksal eine unerwartete Wendung nimmt.

 

Eben noch mit den Fingern die Sterne berührt,

glücklich, dass  dein Herzenswunsch in Erfüllung ging,

du verhältst dich still, damit niemand diesen Zauber stört,

deine Stärke ist so flüchtig wie ein Schmetterling.

 

Eben noch mit den Fingern die Sterne berührt,

du wiegst dich in Sicherheit und schaust dich nicht um,

warum fragen, wenn niemand die Antworten hört,

die Vergangenheit ist unsichtbar und stumm.

 

Eben noch mit den Fingern die Sterne berührt,

plötzlich steht die Vergangenheit neben dir,

du siehst nicht die Absicht, die sie zu dir führt,

du siehst nur die Maske der Täuschung auf ihr.

 

Es reicht ein Wort, ein Blick, eine kleine Geste nur,

und du fühlst, wie dir deine Zukunft entgleitet,

du glaubst ganz fest an die Gegenwart, bleibst in deiner Spur,

und hoffst, dass sich die Vergangenheit ihre eigene Zukunft bereitet.

 

(c) hawksforest

 

 

Pflanzzeit

Heute Vormittag im Büro habe ich mich schon darauf gefreut, dass ich in
meinem noch vom Winter gezeichneten Garten heut´, bei Sonnenschein und
beinahe wolkenlosem Himmel, meine verwaisten Blumentöpfe aus dem Gewimmel
im Schuppen hervorsuchen und neu bepflanzen kann.

Ungezählte Töpfe in vielen bunten Farben standen auf dem Hof, manche durch
das ineinander Stapeln versehen mit etlichen Narben, leer und wartend mit
frischer, nach Frühling duftender Blumenerde befüllt zu werden.

Mit meinen Händen hob ich die Erde in die Töpfe und genoss das Gefühl des
feinkrümeligen Substrats zwischen den Fingern als werde ich selbst dadurch
ein Teil meines Gartens.

Dann setzte ich vorsichtig Stiefmütterchen, Gänseblümchen, Steinbrech und
Narzissen, dazwischen Schneeglöckchen, Efeu und Buxbaum in die dunkel-
braune Erde und konnte mich kaum sattsehen am Anblick so vieler kleinen
Frühlingsblüher.

Anschließend wurden die jungen Pflanzen mit Wasser begossen und jeder
Blumentopf an seinen Platz gestellt, zuvor sorgsam der passende Ort
gewählt, damit nicht die Kälte der Nacht all´ meine Arbeit wieder zunichte
macht.

(c) hawksforest

Waldspaziergang

Über knorrige Baumstämme balancieren,
dem Duft des scheuen Wildes nachspüren,
mit der Nase in raschelnden Laubhaufen wühlen,
das feuchte Moos unter den Pfoten fühlen,
im unberührten Waldboden graben,
drei aufgelesene Stöcke gleichzeitig im Fang haben,
die flinken Mäuse ins Mauseloch jagen,
sich am kühlen Wasser des Waldbaches laben,
den Spuren längst vergangener Zeiten folgen,
später im Körbchen gebettet wie auf Wolken,
zufrieden schlafend und träumend vom nächsten Waldspaziergang.

(c) hawksforest