Jahreswende

eine magische nacht
so viel bunter
und dennoch schwarz
so viel lauter
und dennoch still
alles ganz neu und auf anfang
und dennoch in die jahre gekommen
so viel wollen
doch vergesse nicht das haben
so viel leben

(c) hawksforest
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Abendrunde

In glitzernden weißen Kristallen
atmet die Dunkelheit den Winter aus.
Lautlos, wie meine Spur im Schnee
verblasst die Erinnerung.

(c) hawksforest

Befreit

Ich hörte sie in der Dunkelheit gehen,
noch bevor ich wusste, dass sie es war,
ihr Gesicht blieb in der Nacht verborgen,
doch ihre Stimme ließ die Vergangenheit erwachen.

Ich drehte mich zu ihr - eine Gestalt nur - und ohne sie zu sehen 
stand ich stumm und bewegungslos und für sie unerreichbar,
dann wandte ich mich wieder um - langsam - sie war bedeutungslos geworden,
und mit jedem Schritt hörte ich mich in Gedanken lachen.

(c) hawksforest

 

 

Gute Vorsätze

Ich fasse an Sylvester nie gute Vorsätze fürs neue Jahr.

Aus Angst davor, nicht durchhalten zu können und zu scheitern, wenn das ganze Jahr so vor mir liegt.

Ich beginne mit der Umsetzung meiner Pläne erst, wenn das neue Jahr schon angefangen hat. Und dann fällt es mir leichter, meine guten Vorsätze in die Tat umzusetzen.

(c) hawksforest

Das Ende von Weihnachten

 

Die Weihnachts-CD wird noch ein letztes Mal abgespielt.
Mir fällt auf, dass ich schon gar nicht mehr zuhöre. Niemand hört zu.
- I´m dreaming of a white christmas -
Jemand fragt: "Haben wir das Lied dieses Jahr schon einmal gehört?"
Ich versuche mich zu erinnern. Wir hören das Lied jedes Jahr, warum also nicht auch
dieses Jahr?
Es wird geredet, gegessen, getrunken und geschwiegen.
Mir fällt auf, dass es still ist. Die CD ist zu Ende. Sie wird bis zum nächsten Jahr
wieder zurück ins Regal geschoben, dorthin, wo der Staub nicht stört.
Direkt neben Händel und Phil Collins.
Wann lag zuletzt an Weihnachten Schnee? Ich kann mich nicht erinnern.
Das Abendessen ist jetzt beendet, die Weihnachtslieder alle gehört, die Kerzen
ausgeblasen. Heruntergebrannte Kerzen werden gleich im Müll entsorgt. Die Farbe
rot passt nicht mehr zum restlichen Jahr. Da bin ich eigen. Das will ich heute Abend
noch erledigt haben.
Die Teelichter kann man noch für Sylvester aufheben, die sind weiß, das ist neutral.
Aber rot, nein, rot geht gar nicht.
Die Lichterkette im Weihnachtsbaum wird ausgeschaltet. Wie praktisch. Früher gab es
echte Wachskerzen, das war schön. Die Kerzen haben geflackert und sind ganz langsam
heruntergebrannt. Direkt neben dem Weihnachtsbaum stand ein Eimer mit Wasser, für
den Ernstfall.
Aber es ist nie etwas passiert. Es war einfach nur schön. Das Flackern der Kerzen,
das Glitzern der Christbaumkugeln, das Leuchten in den Kinderaugen.
Heute gibt es LED-Lichterketten, die man ein- und ausschalten kann; manche sind
sogar mit einem Timer ausgestattet. Das ist praktisch. Aber schön ist es nicht.
Die Tannenzweige im Adventsgesteck sind trocken und grau, bei jeder Berührung
rieseln Tannennadeln auf den Tisch. Die eingestaubten Weihnachtsfiguren auf dem
Gesteck erinnern mich daran, dass der Advents-Schmuck bereits seit vier Wochen
auf dem Tisch steht. Der weihnachtliche Glanz ist vergangen, die Freude über die
selbstgebastelte Weihnachtsdekoration auch. Wie schnell ich mich an diesen Dingen
satt sehen kann. Früher, als ich noch ein Kind war, da konnte die Weihnachtszeit,
eine Zeit voller Zauber und Magie, gar nicht lange genug dauern.  
Morgen wird abgeschmückt und weggepackt, in Tüten und Kisten, in den Keller gebracht
und ins Regal gestellt. Dort wartet dann die Weihnachtsdekoration geduldig auf
ihren großen Einsatz in nächsten Jahr. Morgen wird Staub gewischt, Tannennadeln
aufgesaugt und der Weihnachtsbaum in den Garten gestellt. Der ist dieses Jahr im
Blumentopf, sozusagen wieder verwendbar. Sobald kein Frost mehr im Boden ist, wird
der Weihnachtsbaum so schnell wie möglich im Garten eingegraben. Und jedes Jahr
hoffe ich, dass die zarten Wurzeln unseres Baumes im Erdreich Halt finden und der
kleine Baum überleben wird. In unserem Garten kann das kleine Tannenbäumchen in
Ruhe wachsen und eine große, stattliche Tanne werden.

(c) hawksforest  

 

Effizienz

Ich habe einen Kalender mit Bauernweisheiten.

In diesem steht für jede Woche des Jahres eine neue Bauernregel drin.

Und am Ende des Jahres fangen die Bauernregeln wieder von vorne an.

Ist das nun weise oder effizient?

(c) hawksforest